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12.05.2006

ACHEMA aktuell: REACH – Chemikalienzulassung in Europa

Podiumsdiskussion
Forum, Ebene 0, HotSpot
15. Mai 2006, 11.00 Uhr

„REACH" – dieses einfache Kürzel für „Registrieren, Evaluieren und Autorisieren von Chemikalien“ sorgte in den vergangenen Jahren zunehmend für Aufregung in der chemischen Industrie und im gesamten produzierenden Gewerbe. Die REACH-Verordnung, nach der künftig Chemikalien ab einer bestimmten Jahrestonnage einem aufwendigen und komplizierten Registrierungs- und Zulassungsverfahren unterliegen sollen, beschäftigte kleine und mittelständische Unternehmen ebenso wie das EU-Parlament und den Ministerrat.

Was sind die Ziele der EU? Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt, Informationsgewinn und verbesserter Informationsfluß, Gleichbehandlung von Alt- und Neustoffen, Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit, keine Aufsplittung des Binnenmarktes und keine Handelshemmnisse im Weltmarkt – und last but not least – die Reduzierung von Tierversuchen.

Nicht nur Branchenkenner, sondern auch Studien belegen, daß mit dieser neuen EU-Chemikaliengesetzgebung die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft der chemischen Industrie in Europa erheblich belastet wird. Was einst ein praktikables Managementsystem für alle chemischen Stoffe werden und Umweltbelange wie wirtschaftliche Erfordernisse gleichermaßen berücksichtigen sollte, droht sich in einen Treibsatz der Bürokratie zu verwandeln.

Heute steht jedoch fest: REACH wird uns erhalten bleiben und muß zum integralen Bestandteil eines nachhaltigen Entwicklungsprozesses werden. Jetzt kommt es darauf an, diese Regularien in eine Erfolgsstory zu verwandeln, um das Vertrauen der Interessensgruppen in die Chemische Industrie und ihre Produkte zu stärken. Von CEFIC, dem Europäischen Chemieverband, wird zur ACHEMA 2006 die Gründung eines unabhängigen „REACH-Centrums“ angekündigt, das künftig die Beratung und Unterstützung für verschiedenste Unternehmensformen auf europäischer Ebene übernehmen kann.

Aber noch immer gibt es viele offene Fragen: Was kommt auf die Unternehmen wirklich zu? Gibt es REACH ohne überbordende Bürokratie? Wie steht es mit Importen und dem Schutz von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen und der Wettbewerbsfähigkeit Europas? Werden wegen Rechtsunsicherheit Investitionen ausbleiben oder Arbeitsplätze wegfallen?

Dr. Martin Hostalek, Senior Vice President Environment, Health, Safety, Quality bei der Merck KGaA, vertritt den Standpunkt, daß das Wissen über Stoffe und Verfahren eine wesentliche Ressource für die Wirtschaftskraft der Industrie in der EU darstellt. „Der Schutz dieses Wissens muß daher oberste Prämisse einer EU-Verordnung sein, die sich den Zielen des EU-Binnenmarktes verpflichtet sieht. Auch der Eigentumsschutz bei Studien muß mindestens 15 Jahre betragen“, fordert Hostalek, denn kürzere Fristen kämen faktisch einer Enteignung an äußerst teuren Studien gleich.

Dr. Reinhard Loske von der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, mahnt in diesem Zusammenhang an, daß es Ziel sein muß, den Ersatz gefährlicher Chemikalien durch toxikologisch und ökologisch unbedenkliche Stoffe zu erreichen. Mögliche Umwelt- und Gesundheitsschäden müßten durch einen vorsorgeorientierten Ansatz vermieden werden. „Was die Branche braucht, sind Anreize für die Entwicklung innovativer und wenig gefährlicher Stoffe. Das ist gut für die Gesundheit der Verbraucher und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit unsrer Unternehmen“, argumentiert Loske.

Über aktuelle Entwicklungen und Lösungsansätze zu dieser Problematik diskutiert ein hochkarätiges Podium unter dem Titel „REACH – Chemikalienzulassung in Europa“.

Teilnehmer der Diskussion sind:

Dr. Aldo Belloni,
Mitglied des Vorstands der Linde AG, Höllriegelskreuth

Dr. Reinhard Loske
MdB, Bündnis 90/Die Grünen, Berlin

Tomas Nieber
IG BCE (Bergbau, Chemie, Energie) Abteilung Wirtschaftspolitik,
Hannover

Dr. Martin Hostalek, Merck KGaA, Darmstadt
Senior Vice President Environment, Health, Safety, Quality

Prof. Dr. Gerhard Kreysa (Moderation)
Geschäftsführer DECHEMA e.V., Frankfurt am Main

 

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