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12.05.2006

ACHEMA aktuell: Die +2-Grad-Gesellschaft: Wieviel Klimaschutz ist nötig?

Climate change and climate protection: a remaining challenge for science, industry and society

Prof. Reinhard Zellner, Universität Duisburg-Essen
Plenarvortrag, Halle 4.C, Saal Alliance
17. Mai 2006, 13.30 Uhr

Klimawandel ist nicht länger spekulativ, sondern nachweisbar. Das Klima der letzten 30 Jahre war das wärmste der letzten tausend Jahre und wahrscheinlich sogar der letzten 10.000 Jahre. Diese Erwärmung wird sich nach Meinung der Wissenschaftler noch weiter fortsetzen; bis zum Ende des 21. Jahrhunderts ist mit einem globalen Temperaturanstieg von mehreren Grad gegenüber der präindustriellen Zeit zu rechen. Es ist belegt, daß zumindest ein großer Teil der beobachteten Klimaänderungen auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen ist. Mit der Erkenntnis dieses anthropogen verursachten Klimawandels ist naturgemäß auch die Frage nach der Belastungs- bzw. Toleranzgrenze verbunden, d.h. welcher Temperaturanstieg gerade noch akzeptabel ist und welcher bereits einer Klimakatastrophe gleich kommt.

Über neueste Erkenntnisse und Herausforderungen zu Klimaänderungen und Klimaschutz spricht Professor Reinhard Zellner von der Universität Duisburg-Essen am Mittwoch, dem 17. Mai 2006, in seinem Plenarvortrag auf der ACHEMA 2006.

Die Klimaforscher sind sich in der Einschätzung einig, daß die globale Durchschnittstemperatur seit der industriellen Revolution um etwa 0,7°C zugenommen hat und daß davon ein beträchtlicher Teil auf den Einfluß des Menschen zurückgeht. Sie sind sich auch darin einig, daß ein weiterer Temperaturanstieg auf insgesamt +2° eine gerade noch akzeptable Toleranzgrenze darstellt, unter der sich die Biosphäre anpassen könnte und dauerhafte und katastrophale Veränderungen wie das Abschmelzen des Grönlandeises vermieden werden.

„Man kann heute davon ausgehen, daß die wesentlichen Prozesse im Klimasystem erkannt und in den Modellen zumindest in den Ansätzen richtig wiedergegeben werden“, so Professor Zellner. „Aber nur durch vorbildliche und beispielhafte Anstrengungen, CO2-reduzierte bzw. auf regenerative Ressourcen bauende Energieversorgungssysteme und neue Technologien zu entwickeln und für die globalen Anwendungen bereitzustellen, ist globaler Klimawandel beherrschbar.“

Zellner sieht die Industrieländer und damit auch Deutschland in einer besonderen Verantwortung für den Klimaschutz. „In den nächsten Jahrzehnten muß es gelingen, die atmosphärischen CO2-Konzentrationen auf 450 bis 550 ppm zu stabilisieren, um die +2°-Grenze zu halten“, fordert Zellner. Dazu muß die CO2-Emission global um 40-50% und die der Industriestaaten gar um 80% gesenkt werden. Dies geht weit über das hinaus, was derzeit im Kyoto-Protokoll festgeschrieben ist.

Die Bundesrepublik Deutschland trägt nur etwa 3-4% zur globalen CO2-Emission bei. Der Verkehrssektor ist dabei nach wie vor ein Sorgenkind. Auch im privaten Sektor (Heizung, Warmwasser etc.) sind erhebliche Einsparpotentiale vorhanden, die sich jedoch nur langfristig und mit erheblichem Kostenaufwand erschließen lassen. Derzeit ist kaum erkennbar, wie ein nationales Reduktionsziel der CO2-Emission von -80% bis zum Jahr 2050 realisiert werden kann. Im Hinblick auf die sich weiter öffnende Schere zwischen tatsächlicher CO2-Emission und der für eine Klimastabilisierung erforderlichen Reduktion ist daher nach Meinung von Professor Zellner auch eine Verlängerung der Laufzeiten deutscher Atomkraftwerke eine ernsthaft zu diskutierende Option.

 

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