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03.08.2009

Organe aus dem Reagenzglas: Symposium "Organotypic Tissue Culture for Substance Evaluation" in Potsdam

Sind Tierversuche zur Sicherheitsüberprüfung von Chemikalien, Kosmetika und Medikamenten vielleicht schon in ein paar Jahren überflüssig? Wissenschaftler arbeiten daran, sie durch im Labor gezüchtete Organe zu ersetzen. Den Stand der Forschung diskutieren internationale Experten der Gewebekultur vom 22. bis 25. September 2009 auf dem Symposium „Organotypic Tissue Culture for Substance Evaluation“ (Organotypische Gewebekultur zur Stoffbewertung) in Potsdam. Dabei geht es auch darum, welche Hürden bis zum praktischen Einsatz noch zu meistern sind.

Organotypische Gewebekulturen sind im Labor erzeugte Gewebe, die in ihrem Aufbau und ihren Eigenschaften menschliche Organe nachahmen. Damit sollen nicht nur viele Tierversuche ersetzt werden können, die Ergebnisse pharmazeutischer Tests sollen sich auch leichter auf den Menschen übertragen lassen. Immer wieder zeigt sich, dass Tierversuche nicht unbedingt zur richtigen Einschätzung von Arzneimittelrisiken führen und es immer noch keine adäquaten Vorhersagemethoden für Wechselwirkungen von Substanzen mit dem menschlichen Organismus gibt. Zuletzt musste Merck im Jahr 2004 das Schmerzmittel VIOXX vom Markt nehmen, weil es das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko der Patienten stark erhöhte.

Im Mittelpunkt des Symposiums wird deshalb die Frage stehen, wie und wann einzelne künstliche Organe zuverlässige industrielle Testsysteme für chemische und pharmazeutische Substanzen werden könnten. Obwohl erste Erfolge und Zulassungen bei einfacher gebauten Geweben wie z. B. der Oberhaut bereits zu verzeichnen sind, bedarf es bei den meisten komplexen Organen noch umfangreicher Forschung. Besonders die Bildung von Blutgefäßen innerhalb der Organe bereitet häufig Probleme und wird deshalb ein wichtiges Thema des Symposiums sein. Eine weitere wichtige Fragestellung ist der Einsatz von Multi-Organ-Systemen. Die Hintereinanderschaltung mehrerer Organe ermöglicht es, die Wirkung bestimmter Stoffe auf noch komplexere Strukturen zu testen. Das wirft jedoch auch ethische Fragen auf.

Auch der mögliche industrielle Einsatz von Gewebekultursystemen wird Thema des Symposiums sein. Da die Pharmaindustrie bei der Suche nach neuen Wirkstoffen darauf angewiesen ist, möglichst viele Substanzen in möglichst kurzer Zeit zu testen, müssen künftige Kultursysteme darauf ausgelegt sein. So werden u. a. auf Biochips basierende Mikrosystemtechnologien für das Hochdurchsatzscreening vorgestellt und Anwendungen von Stammzellen bei der Identifikation von Wirkstoffen diskutiert.

Der Vergleich von Sicherheitskonzepten bei der Anwendung von in vitro- („im Glas“) und in silico- („im Computer“) Tests im Rahmen der Stoffbewertung sowie der Blick in die Zukunft der organotypischen Gewebekultur unter dem Vortragstitel „Homunculus 2020 for substance testing?!“ runden das Programm des Symposiums ab.

Veranstalter des Symposiums sind die DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V. und die Vereinigung deutscher Biotechnologie-Unternehmen (VBU). Die VBU wurde 1996 gegründet und ist Teil der DECHEMA. Sie vertritt derzeit mehr als 210 Mitgliedsunternehmen aus allen Bereichen der Biotechnologie.

Das ausführliche Programm finden Sie hier .
Weiterführende Informationen zum Thema erhalten Sie auf den DECHEMA-Presseseiten .

Kontakt:
DECHEMA e.V.
Heike Geiling
Tel. +49 (0)69-7564-280
Fax +49 (0)69-7564-304
Email


48/2009