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25.09.2006

Bio ohne Technik / Technik ohne Bio? - Vom Glanz und Elend der Interdisziplinarität in der Biotechnologie

Plenarvortrag anläßlich der GVC/DECHEMA-Jahrestagungen
Mittwoch, den 27. September 2006, 9.15 Uhr, Rhein-Main-Hallen in Wiesbaden

„Die Biotechnologie gehört heute zu den Hoffnungsträgern einer nachhaltigen Entwicklung, aber der Weg zum Erfolg war nicht einfach“, resümiert Prof. Dr. Christian Wandrey vom Forschungszentrum Jülich GmbH in seinem Plenarvortrag. Ein verantwortungsvoller Umgang mit „human resources“ sollte eigentlich in einem interdisziplinären Gebiet wie der Biotechnologie zu besonders fruchtbaren Kooperationen führen. Gleichwohl behindert die „fachspezifische Vorprägung“ nach wie vor ein noch besseres Verständnis für die jeweils anderen Fachrichtungen.

Solange für die „Bio-Seite“ die Ingenieurkollegen eigentlich nur interessant sind, weil sie erforderlichenfalls auch einmal „große Töpfe“ zur Verfügung stellen können und solange die „Techno-Seite“ die biologischen Systeme eigentlich nur als besonders schwierig handhabbare Katalysatoren betrachtet, müssen die Erfolge für die Praxis ausbleiben, so Professor Wandrey, der in Jahrzehnten biotechnologischer Forschung am Forschungsinstitut Jülich dazu seine ganz besonderen Erfahrungen sammeln konnte.

Dass es mit der Interdisziplinarität in der Vergangenheit oft haperte, hängt nicht nur mit der Vorprägung der Teilnehmer, sondern auch mit der Tatsache zusammen, dass die Fortschritte in der Molekularbiologie bisher die Fortschritte in der Bioverfahrenstechnik bei weitem in den Schatten stellten. Das vielleicht beredteste Beispiel dafür ist die „Produktionstechnik“ für Erythropoetin (EPO - ein Hormon, das die Bildung und Reifung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) im Knochenmark anregt). Um die Produktion zu erhöhen wurde das „scale-up“ mit einem „numbering-up“ (Verwendung vieler kleiner „roller bottles“) durchgeführt.

Jetzt scheint die Zeit reif für die industrielle Biotechnologie, und bei der Weißen Biotechnologie ist eine wirkliche Kooperation schon zu erkennen. Nicht nur Aminosäuren und Vitamine, sondern auch chirale building blocks und Feinchemikalien werden zunehmend biotechnologisch im Tonnenmaßstab hergestellt.

Hier spielt das quantitative Verständnis komplexer biologischer und technischer Systeme eine besondere Rolle. Molekularbiologen, Mikrobiologen, Chemiker und Verfahrenstechniker sowie Mathematiker integrieren sich zunehmend. Ein von wirklichem Kooperationswillen getriebener Hightech-Einsatz für eine zumindest teilweise „biobased chemical industry“ hat Chancen, sich zum Glanzpunkt der Interdisziplinarität in der Biotechnologie zu entwickeln. Hier sieht Professor Wandrey besondere Chancen für Deutschland, „denn die nach wie vor scharfe Trennung zwischen „Science“ und „Engineering“, wie sie an den Universitäten in den USA besteht, gibt es hier nicht.“

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