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15.05.2006

ACHEMA-Fernsehpreis 2006

Rede anläßlich der Vergabe des ACHEMA-Fernsehpreises 2006

Es gilt das gesprochene Wort.

Professor Gerhard Kreysa
Geschäftsführer der DECHEMA e.V.

Sehr geehrter Herr Dr. Reitze,
sehr geehrter Herr Moll,
sehr geehrter Herr Professor Weitkamp,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

im Namen der DECHEMA darf ich Sie alle sehr herzlich zur Verleihung des Fernsehpreises der ACHEMA 2006 begrüßen, den wir heute zum vierten Mal vergeben. Seine Premiere hatte dieser Preis 1997 anläßlich des 25. Jubiläums der ACHEMA.

Das Plakat unserer ACHEMA 2006 versinnbildlicht, daß fast alles, was uns im täglichen Leben begegnet, ohne die Produkte und Leistungen der Chemie so nicht denkbar wäre wie es existiert. Obwohl wir in einer so technisch geprägten Welt leben, wissen die meisten Menschen sehr wenig über die naturwissenschaftlichen und technischen Grundlagen, die diese Welt erst ermöglichen.

Vor einigen Jahren veröffentlichte Dietrich Schwanitz unter dem Titel „Bildung“ ein Buch mit dem klaren, aber wohl doch etwas arroganten Anspruch im Untertitel: Alles, was man wissen muß. Das Buch verdient gewiß die Attribute klug und geistreich, war eine zeitlang sogar Bestseller, doch Themen aus Naturwissenschaft und Technik sucht man darin vergebens. Gewissermaßen als Gegenreaktion auf diese Ignoranz schrieb Ernst Peter Fischer danach ein Buch unter dem Titel „Die andere Bildung“, dessen Untertitel etwas bescheidener lautet: Was man von den Naturwissenschaften wissen sollte. Ein bißchen traurig ist es schon mit diesen Snowschen zwei Kulturen, die noch immer nicht verschmelzen wollen. Da glaubt der Geisteswissenschaftler, man könne ganz ohne die Naturwissenschaften auskommen und der Naturwissenschaftler vergreift sich bei den Präpositionen und müßte sich heute wohl von Bastian Sick erklären lassen, daß es richtig heißen muß: Was man über die Naturwissenschaften wissen sollte. Die Feststellung wird Sie nicht überraschen, daß dieses zweite, mindestens ebenso kluge und geistreiche Buch durchaus kein Bestseller wurde. Um so erfreulicher ist es, daß es jüngst Daniel Kehlmann mit seinem Super-Bestseller „Die Vermessung der Welt“ gelang, einer beeindruckend großen Leserschar wenigstens den grundlegenden Pfiff der Gaußschen Summenformel beizubringen.

Doch noch immer finden viele Partys und Empfänge statt, auf denen Sie beim Smalltalk schnell die Sympathie aller Umstehenden mit dem Geständnis gewinnen können, von Naturwissenschaft und Technik verstünden Sie rein gar nichts. Erst wenn Sie Bildungslücken in der Literatur, in der Malerei oder gar im Mozart-Jahr in der Musik offenbaren, werden Sie als biblisch „Armer im Geiste“ belächelt. Trotz des Kehlmann-Erfolges möchte ich Ihnen aber noch immer nicht empfehlen, auf Partys Ihre Mitmenschen mit der Prüfungsfrage zu nerven, wie die Gaußsche Summenformel lautet und gar durch welch genialen Geistesblitz sie der kleine Carl Friedrich entdeckte.

Zum Glück besitzen wir jetzt wenigstens eine Bundesbildungsministerin, mit der wir übrigens gestern die ACHEMA eröffnet haben, die es schlichtweg für unzeitgemäß und verwerflich hält, daß man in unserem Lande – mit Ausnahme von Baden-Württemberg, wo sie das geändert hat – noch immer mit nur einer Naturwissenschaft sein Abitur machen kann, wo doch jeder weiß, daß die besonders kreativen und innovativen Forschungsgebiete eben gerade an den Nahtstellen mehrerer Naturwissenschaften liegen.

Was die Schulen nicht leisten, das müssen dann später andere Institutionen nachholen, zu denen eben auch das Fernsehen mit seinen Wissenschaftssendungen gehört, die wir mit unserem ACHEMA-Fernsehpreis ein wenig fördern, vor allem aber anerkennen wollen. Inzwischen haben wir immer wieder erfahren, daß dies nicht nur von den Filmemachern, sondern auch von den Sendern sehr dankbar angenommen wird.

Eine Mikro-Anekdote möchte ich hier doch noch einfügen, weil es ein Kreuz ist, wenn ausgerechnet Bildungspolitiker die Bildung vergewaltigen. Anders als in unserer Einladung ausgedruckt, war im ursprünglichen Titel des heute auszuzeichnenden Filmes das Wort „ausgeht“ auseinandergeschrieben. Zum Glück fand kurz vor Drucklegung unserer Einladung noch einmal eine Reform der Reform statt. Ein Blick in die Internetseiten von 3sat offenbarte dann, daß das Wort in der Ankündigung der Sendewiederholung jetzt prompt zusammengeschrieben war, was uns doch sehr erleichterte. Ich denke, auch die Verantwortlichen des Senders werden dankbar gewesen sein für diese Rückkehr zur orthographischen Vernunft.

In den Richtlinien für die Vergabe dieses Fernsehpreises heißt es:

„Mit dem Fernsehpreis werden der Autor/die Autoren eines Fernsehfilmbeitrages im deutschsprachigen Raum ausgezeichnet, der mit der Darstellung eines naturwissenschaftlichen oder technischen Themas aus dem Bereich der Chemischen Technik, des Umweltschutzes oder der Biotechnologie in hervorragender Weise dazu beigetragen hat, ein solches Thema objektiv, überzeugend und allgemeinverständlich einer breiten Öffentlichkeit nahezubringen.“

Über die Vergabe des ACHEMA-Fernsehpreises entscheidet der DECHEMA-Vorstand auf Empfehlung einer von ihm eingesetzten Jury. Wenn ich erwähne, daß die Gesamtlänge aller eingereichten Beiträge etwa 15 Stunden betrug, so wird deutlich, welcher Aufwand auch für die Jury mit der Findung des Preisträgers verbunden war. Dieser Jury gehörten an:

Herr Volker Arzt
Herr Wolfgang Habig
Herr Prof. Keim
Herr Dr. Plass
Herr Fritz Schenck, der kürzlich leider verstorben ist
Herr Udo Tschimmel und
Herr Professor Weitkamp

Ich möchte mich bei Ihnen allen ganz herzlich für Ihre Mitwirkung bedanken.

Ich darf nun Sie, Herr Dr. Reitze, ganz herzlich begrüßen und freue mich darüber, daß es uns gelungen ist, Sie für den heutigen Festvortrag zu gewinnen. Sie wurden 1952 im hessischen Gudensberg geboren und legten 1971 Ihr Abitur in Kassel ab. Noch vor Ihrem Studium der Volkswirtschaft in Marburg schoben Sie ein Volontariat bei der „Hessisch-Niedersächsischen Allgemeinen“ ein. Nach dem Studium gingen Sie an das Forschungsinstitut für Wirtschaftspolitik der Universität Mainz, wo Sie 1980 zum Doktor rer. pol. promovierten. 1981 begannen Sie Ihre bemerkenswerte Karriere als Journalist und Manager im Fernsehen. Wer Ihnen heute begegnet, der hat sofort das Gefühl, Sie von irgendwoher zu kennen. In der Tat, Sendungen wie der „ARD-Ratgeber Geld“, „plusminus“ oder auch das „Heute Journal“ des ZDF haben Sie und Ihr Gesicht einem großen Fernsehpublikum bekannt gemacht. Dann zog es Sie ins Management und Sie übernahmen zunächst als Geschäftsführer der AVE in München einen Ausflug in die Fernsehproduktion. Dann kehrten Sie in führende Funktionen verschiedener Fernsehsender zurück, und seit 2003 sind Sie Intendant unseres Hessischen Rundfunks.

Ihr uns alle interessierendes Thema lautet:

„Wissenschaft in den Medien – Bildungsauftrag und Unterhaltung“

 

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