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DECHEMA-Blog

Aktuelle Aktivitäten und Ausblick der DECHEMA-Fachgruppe Risikomanagement

Erstellt von Margit Hahn und Matthias Rizzi , 26.08.2026

Die jüngste Sitzung der DECHEMA-Fachgruppe Risikomanagement im Frühjahr 2026 zeigte eindrucksvoll, wie breit das Spektrum aktueller Fragestellungen in der Prozess- und Anlagensicherheit geworden ist. Im Mittelpunkt standen dabei weniger theoretische Konzepte als vielmehr konkrete Erfahrungen aus der Praxis – und die Frage, welche Konsequenzen sich daraus für ein modernes Risikomanagement ableiten lassen.

Schnittstellen: Wo Risiken leicht übersehen werden

Ein Schwerpunkt der Diskussion lag auf der Absicherung von Schnittstellen und Utility-Netzen in verfahrenstechnischen Anlagen. Anhand realer Ereignisse wurde deutlich, dass gerade gemeinsam genutzte Versorgungsnetze und Medienübergaben besondere Aufmerksamkeit verdienen. Rückströmungen, unerwartete Druckverhältnisse oder ungünstige Anlagenkonfigurationen können zu Gefährdungen führen, die bei einer isolierten Betrachtung einzelner Anlagenteile leicht übersehen werden.

Intensiv diskutiert wurde deshalb, wie Schutzmaßnahmen risikobasiert ausgelegt werden sollten. Dabei spielen nicht nur technische Einrichtungen eine Rolle. Ebenso wichtig sind klare Schnittstellendefinitionen, geeignete Überwachungskonzepte und die systematische Auswertung wiederkehrender Alarme oder Ansprachen von Sicherheitseinrichtungen. Ein wesentliches Fazit: Schnittstellen benötigen eine ebenso konsequente Risikobetrachtung wie die eigentlichen Prozesse.

Risikoanalyse: „Regelmäßig“ bedeutet nicht automatisch „wirksam“

Ein weiteres Praxisbeispiel zu einem Zersetzungsereignis nach Änderungen an einer Anlage führte zu einer grundsätzlichen Diskussion über die Qualität von Risikoanalysen. Das Beispiel zeigte, dass selbst regelmäßig wiederholte Analysen relevante Szenarien übersehen können, wenn Methodik, Anlagenkenntnis und kritisches Hinterfragen nicht ausreichend zusammenspielen.

Damit rückte eine zentrale Frage in den Fokus: Wie stellen wir sicher, dass Risikoanalysen nicht nur formal durchgeführt werden, sondern tatsächlich die relevanten Gefährdungen erkennen?

Gerade Änderungen an bestehenden Anlagen, vermeintlich vertraute Prozesse und über Jahre gewachsene technische Systeme erfordern eine kritische Neubewertung. Die Diskussion verdeutlichte, wie wichtig ein wirksames Management of Change sowie qualitativ hochwertige, methodisch sauber durchgeführte Risikoanalysen sind.

Künstliche Intelligenz: Assistent statt Risikomanager

Besonders lebhaft wurde über den zunehmenden Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Prozesssicherheit diskutiert. Moderne KI-Werkzeuge können bereits heute umfangreiche Dokumentationen strukturieren, Informationen aus unterschiedlichen Quellen zusammenführen sowie Risikoanalysen, Schulungen und Dokumentationsaufgaben vorbereiten.

Gleichzeitig wurden die Grenzen deutlich: Die Qualität der Ergebnisse hängt wesentlich von der Qualität und Struktur der Eingangsdaten ab. Gerade bei komplexen technischen Dokumenten oder uneinheitlicher Anlagenkennzeichnung stößt die automatisierte Interpretation noch an Grenzen.

Konsens bestand deshalb in einem entscheidenden Punkt: KI kann Fachleute unterstützen – die Verantwortung für die Risikoanalyse kann sie ihnen nicht abnehmen. Erfahrung, technisches Verständnis, Kreativität und die kritische Verifikation der Ergebnisse bleiben unverzichtbar.

Daraus ergibt sich zugleich ein spannendes zukünftiges Arbeitsfeld für die Fachgruppe: Wo liegen die fachlich sinnvollen Grenzen des KI-Einsatzes? Welche Anwendungen schaffen tatsächlich Mehrwert? Und braucht die Prozesssicherheit künftig Referenzdatensätze, Qualitätskriterien oder gemeinsame Standards für den Einsatz von KI? Das ist auch das Schwerpunktthema der kommenden Präsenzsitzung der Fachgruppe im Herbst.

Neue Risiken brauchen Vernetzung

Auch zukünftige Querschnittsthemen wurden adressiert. Ein Beispiel ist der Umgang mit Lithium-Ionen-Batterien über ihren gesamten Lebenszyklus – von Herstellung und Betrieb über Lagerung und Wartung bis zum Recycling. Hier überschneiden sich klassische Fragestellungen des Risikomanagements mit Brand- und Explosionsschutz sowie neuen technologischen Entwicklungen.

Genau an solchen fachlichen Schnittstellen liegt eine besondere Stärke interdisziplinärer Zusammenarbeit. Die Fachgruppe Risikomanagement wird deshalb den Austausch mit anderen Fachgruppen weiter intensivieren und Themen gemeinsam bearbeiten.

Die Sitzung machte deutlich: Modernes Risikomanagement endet nicht bei Methoden und Regelwerken. Es lebt vom Erfahrungsaustausch, vom kritischen Hinterfragen etablierter Vorgehensweisen und von der Bereitschaft, neue Technologien und neue Risiken frühzeitig aufzugreifen.

Damit ist auch die Agenda für die kommenden Treffen gut gefüllt – von den Grenzen und Chancen der KI über neue technologische Risiken bis zur Frage, wie Risikoanalysen auch künftig belastbar, praxisnah und wirksam bleiben.

Haben Sie Interesse an der Mitarbeit in der Fachgruppe? Dann kontaktieren Sie Dr. Maike Andresen oder schauen Sie auf der Website der DECHEMA-Fachgruppe Risikomanagement vorbei.

 

 

 


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Bildquelle: Canva Teams

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