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19.06.2012

Bioökonomie: In der Forschung „keine Zeit verlieren“

Bioökonomie ist ein Stichwort, das besonders in den kommenden Jahren noch an Bedeutung gewinnen wird. Im Rahmen der ACHEMA 2012 stand am Montag eine Podiumsdiskussion im Zeichen dieses Themas. Dr. Georg Schütte vom Bundesministerium für Bildung und Forschung wies schon zu Beginn darauf hin, wie vielfältig die Bioökonomie eigentlich ist. Darunter fielen aus seiner Sicht zum Beispiel die biobasierten Kunststoffe und Bioraffinerien. Aber auch Begriffe wie Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit würden nach dazu gehören.

 

Beim Stichwort Nachhaltigkeit war auch Martina Fleckenstein vom WWF dabei. Für sie stellten sich vor allem die Fragen: "Wo bauen wir an, was bauen wir an und wie bauen wir an?" Vor allem sei wichtig, wie ernsthaft die Nachhaltigkeit tatsächlich umgesetzt würde, da es für diese keine konkrete Definition gebe. Nachhaltigkeit zieht natürlich auch immer die Frage nach verantwortlicher Nutzung mit sich. "Integrierte Konzepte" sind für Dr. Lutz Guderjahn aus dem Vorstand der CropEnergies AG wichtig. Dabei ging es ihm vor allem um die Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen nicht nur zur Herstellung von Biokraftstoffen, sondern auch für weitere Produkte wie Nahrungsmittel oder Werkstoffe.

 

Die Nahrungsmittel waren ein Ansatzpunkt für Clemens Neumann vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Er sagte, die Priorität der Landnutzung müsse auf der Lebensmittelproduktion bleiben, um damit auch den Zugang zu Nahrungsmitteln sicherzustellen. Darauf müsse auch die Politik achten.

 

Besonders an Standards für die Bioökonomie fehle es noch, bemängelte der Agrarökonom Joachim von Braun von der Universität Bonn. Zwar sei die langfristige Preiserwartung für Produkte aus der Bioökonomie positiv, aber es müssten umfassende Fußabdrücke dieser erstellt werden; von der Herstellung über den Konsum bis zur Verwertung. Denn "der Verbraucher kann nicht entscheiden, wenn er nicht Bescheid weiß.", erläuterte von Braun weiter.

 

Der Trend der stark zunehmenden Bioökonomie wird von zwei Faktoren getrieben, beschrieb Dr. Holger Zinke von der BRAIN AG die derzeitige und auch zukünftige Lage. Zum einen sei es die Verknappung der fossilen Ressourcen, zum anderen aber auch die Nachfrage nach biobasierten Produkten durch Industrie und Verbraucher. Und auf diesem Markt sei vor allem Wissen ein primärer Faktor, nicht so sehr die hergestellten Produkte. Daher forderte er für Deutschland, dass weiter in die Forschung investiert wird. Auch Neumann vom BMELV sah die Chancen vor allem darin, in die Forschung zu investieren und nicht zusätzliche Marktanreize mittels Förderungen in der Wirtschaft zu schaffen.

 

In einem waren sich alle Diskussionsteilnehmer aber einig: Der Verbraucher muss transparent und umfassend über die biobasierten Produkte informiert werden, um nicht wieder in die "E10-Falle" zu tappen. Dabei könnte zum Beispiel ein "Grüner Engel" helfen. Diese Zertifikate müssten laut Fleckenstein vom WWF aber auf freiwilligen Selbstverpflichtungen der Industrie beruhen. Sie warnte vor "Low Level Lösungen" und plädierte stattdessen für hohe Standards mit Ökobilanzen, die die Flächennutzung, den Wasserverbrauch und viele weitere Faktoren umfassen. Auch soziale Praktiken in den Herstellungsländern müssten dabei berücksichtigt werden, ergänzte Schütte. Man müsse mit Hilfe des Siegels ein positives Image beim Verbraucher schaffen.

 

Zinke kritisierte, dass es in Deutschland und der EU vor allem an politischem Momentum fehle. In Amerika würden die CEOs der führenden Unternehmen ins Weiße Haus eingeladen, um konkrete Pläne zu besprechen. Das Fehlen dieser Anreize und der unzureichende Rahmen für biobasierte Produkte war auch Guderjahn ein Dorn im Auge. Wichtig sei es nach von Braun jetzt vor allem "keine Zeit zu verlieren."

 

 

26/2012

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