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14.11.2007

DECHEMA-Preis 2007 für den Katalyseforscher Bert Weckhuysen von der Universität Utrecht / NL

Den mit 20.000 Euro dotierten DECHEMA-Preis der Max-Buchner-Forschungsstiftung erhält in diesem Jahr Professor Bert M. Weckhuysen von der Universität Utrecht, Niederlande in Anerkennung seiner herausragenden Entwicklungen auf dem Gebiet der kombinierten In-situ-Spektroskopie und deren Anwendung bei industriellen Katalyse-Prozessen.

Die Preisverleihung findet am 30. November um 16.00 Uhr im Rahmen eines Festkolloquiums im DECHEMA-Haus, Theodor-Heuss-Allee 25, in Frankfurt/Main statt.
Rede von Dr. Alfred Obeholz zum download


Der DECHEMA-Preis der Max-Buchner-Forschungsstiftung wird seit 1951 jährlich vergeben. Damit werden herausragende Forschungsarbeiten aus den Bereichen Technische Chemie, Verfahrenstechnik, Biotechnologie und Chemische Apparatetechnik gewürdigt. Dabei werden besonders Arbeiten jüngerer Forscher berücksichtigt, die von grundsätzlicher Bedeutung sind und eine enge Verflechtung von Forschung und praktischer Anwendung zeigen.

Fotos von der Preisverleihung sind erhältlich bei der Öffentlichkeitsarbeit der DECHEMA e.V., Tel.: 069/7564-375, -296, Fax: 069/7564-272, E-Mail:

Katalysatoren live und hautnah – Untersuchungen von Festkörperkatalysatoren mit In-situ-Spektroskopie
Katalysatoren sind heutzutage die Arbeitstiere in der chemischen Industrie. Über 80 % aller Chemieprodukte sind während ihres Herstellungsprozesses mindestens einmal in Kontakt mit einem Katalysator gekommen.

Die Reaktionen mit Festkörperkatalysatoren sind äußerst komplex. Beispielsweise besitzen poröse Festkörper aufgrund ihrer Struktur eine große Oberfläche mit vielen unterschiedlich aktiven Reaktionszentren. Dabei das aktive Zentrum zu identifizieren und den Reaktionsmechanismus aufzuklären, ist eine große Herausforderung für Chemiker und Verfahrensingenieure. Diese Kenntnisse sind Voraussetzungen dafür, um maßgeschneiderte und hocheffiziente Katalysatoren herstellen zu können, bzw. vorhandene Katalysatoren zu optimieren. Maßgeschneidertes Design bleibt jedoch in vielen Fällen ein frommer Wunschtraum, da es oft nicht möglich ist, die Wirkungsweise des Katalysators direkt während des Reaktionsprozesses zu beobachten.

In seinen Arbeiten beschäftigt sich Professor Bert Weckhuysen an der Universität Utrecht/NL mit der Entwicklung von kombinierten zeitauflösenden in-situ-spektroskopischen Methoden, um sowohl den Reaktionsmechanismus als auch den Mechanismus der Deaktivierung bei industriell eingesetzten Katalysatoren zu beobachten. Er ist einer der führenden Wissenschaftler auf diesem Gebiet und hat u.a. eine spektroskopische Methode entwickelt, die es erlaubt die kohlenstoffhaltigen Ablagerungen (Verkokung) auf dem Katalysator online zu bestimmen – berührungs-los und zerstörungsfrei. Eine der praktischen Anwendungen seiner Forschungsarbeiten ist aktuell die Entwicklung einer Online-Steuerung eines Katalysereaktors mit Hilfe der In-situ-Spektroskopie. Mit seinem Forschungsansatz werden erstmalig Katalysatoreigenschaften in unterschiedlichen Größenordnungen betrachtet: auf der Ebene von Reaktionsprodukten und Katalysatoren bis hin zur Korngröße des Katalysators und Metall-Clustern im Nanometerbereich.

Beruflicher Werdegang des Preisträgers
Bert Weckhuysen wurde 1968 in Aarschot/B geboren. Sein Studium der Fachrichtungen Agrar- und Chemieingenieurwesen beendete er 1991 an der Universität von Leuven (K.U. Leuven) mit Auszeichnung. Während seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich mit der Spektroskopie von heterogenen Katalysatoren in der Arbeitsgruppe von Prof. Robert A. Schoonheydt. Nach seiner Promotion 1995 ging er zu einem Postdoc-Aufenthalt in die USA. Bei den Professoren Jack H. Lunsford (Texas A&M University) und Israel E. Wachs (Lehigh University) vertiefte er sein Wissen über die Charakterisierung von Katalysatoren. 1997 kehrte er zurück nach Belgien und erhielt ein National Science Foundation Fellowship an der K.U. Leuven. 1998 wurde er mit dem K.U. Leuven Research Council Award für seine Pionierarbeiten auf dem Gebiet der In-situ-Spektroskopie ausgezeichnet. In 2000 folgte er einem Ruf an die Universität Utrecht/NL als Professor für Anorganische Chemie und Katalyse. Seit 2003 ist er wissenschaftlicher Direktor des Niederländischen Instituts für Katalyseforschung (NIOK).

Die Forschungsschwerpunkte in Weckhuysens Arbeitsgruppe liegen in der Entwicklung von Struktur-Aktivitäts-Beziehungen und Expertensystemen im Bereich der heterogenen Katalyse und der Materialwissenschaften. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Entwicklung und Anwendung von In-situ-Charakterisierungstechniken. Viele in der Industrie angewendete Katalysereaktionen werden zur Zeit untersucht. Dies geschieht oft auch in enger Zusammenarbeit mit der chemischen Industrie und den Katalysatorherstellern.

Ein weiteres Arbeitsgebiet ist das molekulare Design von Übergangsmetall-Ionen-Komplexen in anorganischen Hosts für Katalyse- und Sensoranwendungen. Vorbild dafür sind die Enzyme – hocheffiziente natürliche Katalysatoren.
Bert Weckhuysen ist Mitglied der „Young Academie“ der Königlich Niederländischen Akademie der Wissenschaften (KNAW), der Niederländischen Akademie für Technologie und Innovationen (AcTInI) sowie der Royal Society of Chemistry. Weckhuysen erhielt 2003 den renommierten VICI-Preis der Niederländischen Nationalen Wissenschaftsstiftung und 2006 die Gold-Medaille der Königlichen Niederländischen Chemischen Gesellschaft. Er ist außerdem Mitherausgeber der Zeitschriften Physical Chemistry Chemical Physics, Catalysis Letters, Topics in Catalysis, Catalysis Today, Applied Catalysis und Journal of Nanoscience and Nanotechnology.



Die DECHEMA (Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V.) ist eine gemeinnützige wissenschaftlich-technische Gesellschaft mit Sitz in Franfurt/Main. Mehr als 5.000 Naturwissenschaftler und Ingenieure sowie Firmen, Organisationen und Institute gehören ihr heute als Mitglieder an. Ihr Ziel ist es, den technischen Fortschritt auf den Gebieten Chemische Technik, Biotechnologie und Umweltschutz zu fördern und mitzugestalten. Mit ihren vielfältigen Aufgaben ist die DECHEMA Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit.

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